Länger Laufen, länger Verweilen

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Mit Nathalie auf die Loipe – und in den Stall

An ihr führt kein Weg vorbei, wenn es ums Langlaufen geht: Nathalie von Siebenthal –Spitzenathletin bei SwissSki, Medaillenhoffnung für die Olympiade in Südkorea und Botschafterin für «ihr Saanenland». Ein Besuch auf dem Hof zwischen Tür, Angel und Loipe.

Sie kommt gerade aus dem Stall, in Gummistiefeln und Overall. 34 Kühe wollen versorgt sein. Es ist 08.15 Uhr, Zeit für ein Gespräch über die grosse, weite Sportwelt und wahre Heimat, über Training und Verschnaufpausen. Wir sind in Lauenen bei Gstaad, auf dem Hof von Familie von Siebenthal. Nathalie ist gelernte Bäuerin. Wenn sie nicht gerade auf den Latten, die die Welt für sie bedeuten, unterwegs ist, legt sie im elterlichen Betrieb tüchtig Hand an. «Ich wollte immer Bäuerin werden. Und so war für mich klar: Ich mache meine dreijährige Lehre auf unserem Hof, mit Abstecher in den Neuenburger Jura und Landwirtschaftsschule in Hondrich, damit ich für meine Zeit nach der Karriere fit bin.» Doch noch steht sie mitten im Sportleben. Nathalie ist einer der Trümpfe im Schweizer Nationalteam für Nordisch-Sportarten. Sie beherrscht diesen Ausdauersport seit Kindsbeinen – in klassischer Manier wie auch im Bereich Skating. «Ich mache beides gerne, Skating ist noch eine Spur anstrengender.» Ob es sie denn nie gelüstet habe, Alpinski zu fahren oder zu snowboarden, wollen wir wissen. «Nein, das stand nie zur Diskussion. Mein Vater war Leiter der lokalen JO-Sektion. Kind und Kegel kamen dorthin fürs Langlaufen. Und logischerweise waren auch wir mit von der Partie.»

Ein Flair furs Turbachtal
Wenn sie heute trainiert, dann ist Nathalie am liebsten im Turbachtal unterwegs. Dort fühlt sie sich so richtig wohl. Und auch tüchtig herausgefordert. «Die Loipe ist coupiert, das heisst: Es geht ziemlich auf und ab. Zudem verläuft sie am Hang und man trainiert die jeweilige Beinmuskulatur besonders gut.» Alternativ hat sie natürlich ihre Heimstrecke sozusagen vor Haus und Hof: die beschauliche Runde durchs Lauener Rohr. Manchmal huschen da auch Fuchs oder Eichhörnli über die Loipe oder es staunt ein scheues Reh am Wegrand.
Viel Zeit zum Schauen bleibt jedoch nicht, denn Nathalie muss trainieren, viel trainieren sogar. «Einmal pro Woche hochintensiv im Renntempo, zwei- bis dreimal intensiv. Und daneben viel Krafttraining im Keller.» Dafür hat sie eine Langhantel sowie zwei kurze Hanteln griffbereit – damit Arme und Hände gestärkt werden. Im Sommer ist sie oft auch auf den Rollskiern unterwegs, zum Beispiel auf dem Col du Pillon. Das jedoch würde sie den Laien nicht empfehlen. Oder sie geht zum Üben auf den Glacier 3000, sobald dort der erste Schnee liegt.

Zweimal taglich in der Spur
Wenn Nathalie im Saanenland am Trainieren ist, dann wachst sie ihre Skating-Skier mit etwas Gleitwachs selbst. Bei den klassischen Latten lässt sie sich von ihrem Vater beraten, der kennt immer die richtige Mischung für den Steigwachs. So richtig an die Substanz geht die schwarze Loipe in Schönried. Trainiert wird jeweils am Morgen und am Nachmittag, wenn Hof und Tiere versorgt sind.

A propos
Der Stall ruft – noch gilt es den letzten Rest auszumisten und die Kühe zu füttern, bevor es dann zum Essen geht. Da übrigens isst Nathalie, wonach sie gelüstet. Also keine Diät, sondern Währschaftes ist angesagt. Schliesslich braucht sie Kraft und Ausdauer – für die nächsten grossen Ziele.