Der Geist von Gstaad

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Stammtischgespräch: Bäuerin begegnet Starmusiker

Ihre Wirkungsstätte ist im Sommer die Alp Mittelberg bei Abländschen. Sein Zuhause sind die Konzertsäle dieser Welt. Beide treffen sie sich am Stammtisch: Vreni Müllener, Bäuerin, Gemeinderätin und Mutter von fünf erwachsenen Kindern aus Gstaad, und Andreas Ottensamer, Klarinettist und regelmässiger Starsolist am Gstaad Menuhin Festival aus Wien. Sie philosophieren im lockeren Interview über Geld, Geist und Gstaad.

Frau Müllener, Sie sind in Lauenen aufgewachsen und leben seit Jahrzehnten im Saanenland. Was macht es denn aus, das Geheimnis von Gstaad?

VM: Es ist die intakte Landschaft, es sind die lieblichen Täler und die imposanten Felsen, die weit genug weg sind und doch genug Raum lassen. Auch auf unsere prächtigen Ortsbilder sind wir mächtig stolz. Jedes Mal, wenn ich von Zweisimmen her über die Möser fahre, atme ich meine Heimat. Und nicht hundert Pferde könnten meinen Mann und mich von hier wegbewegen.

Hat es Ihnen nicht zu viele Prominente und Jetset im Tal?

VM: Überhaupt nicht. Im Gegenteil, wir leben perfekt miteinander, die sogenannt Reichen und wir Gewöhnlichen. Es hat genug für jede und jeden – auch Familien und Preisbewusste finden ihr Plätzchen bei uns. Man muss nur wissen wo.

Und Sie, Herr Ottensamer, wie erleben Sie Gstaad und Umgebung?

AO: Genau so, wie es Frau Müllener schildert. Nichts von jenen Klischees, die man natürlich finden kann, wenn man nur will. Von Schickimicki sehe ich wenig bis nichts. Die verschiedenen Gesellschaftsgruppen mischen sich hervorragend in dieser Alpenarena. Als Künstler bin ich zudem beeindruckt, welche Energie in der Luft liegt. Auch die unverstellte Herzlichkeit und der ehrliche, trockene Humor, die gefallen mir. Leider nur bleibt mir meistens zu wenig Zeit, um die Täler und Alpen zu entdecken.

Sind die Gstaader ein gutes Publikum?

AO: Definitiv. Sie gehen toll mit, wollen klassische Musik hören – bis zum letzten Ton. Und genau das ganzheitliche Festivalerlebnis ist es, was diesen Ort auszeichnet. Die Menschen verweilen mehrere Tage, gehen wandern, biken, fein essen und abends dann ins Konzert. Eben wie es Menuhin einst angedacht hatte: Freunde treffen auf Freunde und Gleichgesinnte im lockeren Rahmen. Das ergibt eine ganz andere Intensität als eine Klassikveranstaltung in einem städtischen Saal.

Apropos nachbarschaftlich: Wie leben – aus Ihrer Sicht als Lokalpolitikerin – Tourismus und Landwirtschaft zusammen?

VM: Wir alle sind uns bewusst, dass es ein Geben und Nehmen ist. Der Tourismus, und damit die Grossanlässe und Festivals, schaffen viele interessante Begegnungen. Und vor allem wertvolle Arbeitsplätze. Mein Mann zum Beispiel war im Winter am Skilift tätig, mein Sohn ist Skilehrer. Wichtig scheint mir auch, dass Gstaad nicht auf Massentourismus, sondern auf Qualität setzt. Das zahlt sich seit vielen Jahrzehnten aus. Für alle.

Was vermissen Sie, der sonst im quirligen Berlin lebt, am ehesten im beschaulichen Berner Oberland?

AO: Klar ist es ungewohnt, wenn man nicht 24 Stunden einkaufen kann. Nur frage ich mich: Muss das immer sein? Und wenn ich ganz ehrlich bin, geniesse ich die Ruhe in Gstaad. Zugleich ist die Infrastruktur top, die Hotels wunderbar, der Service erstklassig – und ein wenig Luxus darf ja durchaus sein. Das macht das Leben viel einfacher, nicht nur für uns Künstler.
Wenn Sie Gstaad mit einem Lied besingen müssten – was fällt Ihnen beiden da ein?

VM: Schwierige Frage. Als Bäuerin bin ich natürlich eng mit der Volksmusik verbunden. Zum Beispiel das Lied «Lueget, vo Bärg und Tal» – obwohl wir hier keinen See haben, zumindest nicht unmittelbar in Sichtweite. Oder ein traditioneller Naturjutz, diese Melodien ohne Worte klingen lange nach und wecken immer wieder Emotionen, wie das Saanenland auch.

Und was klingt bei Ihnen an, Herr Ottensamer?

AO: Ich spiele gerade häufig Brahms. Und in dessen Klarinettentrio gibt’s einen Ländler. Dieser bringt den Esprit dieser Gegend ganz schön auf den Punkt: gehobene Gemütlichkeit, das ist Gstaad für mich.


Das Interview entstand im ältesten Hotel am Platz: www.posthotelroessli.ch
Die Heimat und der Blog von Vreni Müllener: www.alpgeschichten.ch/de/alp-mittelberg
Die Bühne von Andreas Ottensamer: www.gstaadmenuhinfestival.ch


Tipp Andreas Ottensamer: Tennis – wo und wann immer

Um ein Haar wäre Andreas Ottensamer Tennisprofi geworden. Jahrelang hatte er intensiv den Sport auf Sand ausgeübt. Dann musste er sich entscheiden: Musik oder Sport. Er wählte die Klarinette anstelle des Rackets. Und deshalb besucht er – wann immer er kann – Tennisturniere. Zum Beispiel die attraktiven Ballwechsel am seit 2016 lancierten WTA- Ladies-Championship Gstaad, das jeweils eine Woche vor dem ATP-Turnier der Männer stattfindet.

www.ladieschampionshipgstaad.ch

Tipp Vreni Müllener: Oberer Stalden – was sonst

Er ist kaum ausgeschildert, auch auf Wanderkarten fehlt er oft: der Obere Stalden. Für Vreni Müllener ist dieser romantische Platz gleich von mehrfacher symbolischer Bedeutung. Schon als kleines Kind lernte sie dort melken und half bei allen anfallenden Arbeiten in Sennhütte und Stall – später dann lernte sie ihren Mann dort kennen. Fürs Schaffen sei es ihr heute da oben fast zu streng, aber zum Ausspannen gibt’s nichts Schöneres als diese einsame Alp auf 1800 Metern über Meer.

GPS: E 7.244789 – N 46.430078

Mit Postauto Gstaad-Gsteig bis Grund, mit Auto oder zu Fuss auf der Meielsgrundstrasse ins Tal und links zum Unterstafel. Auf den Oberstafel gelangt man nur zu Fuss.

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Gstaad

Neben Gstaad umfasst die Region weitere 9 Chaletdörfer, die auf 1'000 bis 1'400 Meter gelegen sind. Die Marke Gstaad steht heute weltweit für schicken Charme und diskreten Luxus mit Understatement. Aber trotz Stil und Klasse: Gstaad ist echt alpin und bodenständig geblieben. Man ist stolz auf seine Tradition und lebt sie.

Mehr als 1000 Veranstaltungen stehen Gästen jährlich zur Verfügung, darunter Top Events von Weltformat. Dazu finden Besucher eine Spitzen-Hotellerie, ausgezeichnete Shoppingmöglichkeiten entlang der autofreien Flanierpromenade und einen eigenen Flugplatz in Saanen.

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