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Trotz der Härte des Alltags im Einklang mit der Natur (lange Version)
Text in PDF (35 KB)
Quelle: Gstaad Saanenland Tourismus
Johann von Grünigen, Turbach, berichtet aus dem Alltag eines Bergbauern im Saanenland
Version Sommer 2012
Trotz der Härte des Alltags im Einklang mit der Natur
Die Landwirtschaft in den Bergen und das Leben der Bauern sind eng mit dem Lauf der Natur verbunden. Die Jahreszeiten und die Bedürfnisse der Tiere bestimmen den Rhythmus. Johann von Grünigen aus Turbach ist einer von vielen Bergbauern aus der Region Gstaad, die sich – unterstützt von der gesamten Familie – nach diesem Rhythmus richten und an Traditionen festhalten. Auch wenn manch betriebwirtschaftlicher Aspekt dagegen zu sprechen scheint.
„Trotz aller Härte des Alltags im Einklang mit der Natur zu wirtschaften und sie zu respektieren, ist für mich die Quelle meiner Zufriedenheit“, lautet der ganz persönliche Standpunkt des Johann von Grüningen. Wenn Ende April der Schnee in den Tälern schmilzt, beginnt für die Kühe die Freiluftsaison. Während des Winters hatten sie nur stundenweise Auslauf, jetzt, im Frühjahr, dürfen sie endlich raus – zurück auf die Weiden in der Nähe der Häuser.
Tross mit grossem Getöse
Je nach Zustand der Vegetation steht wenige Wochen später die erste „Züglete“ an. „Die Tiere spüren ganz genau, wenn es wieder losgeht und wir alles für die Züglete vorbereiten“, berichtet Johann von Grünigen. Mit grossen Treicheln um den Hals und entsprechendem Getöse marschiert der Tross Richtung Vorschess oder Maienschess, einer Alpstation auf halber Höhe. Dort finden die Kühe frisches, junges Gras. „Sie geben dann mehr und schmackhaftere Milch, was sich wiederum auf die Qualität des Käses auswirkt“, weiss der Bergbauer. Zum Hochsommer folgen die Tiere erneut der Vegetation. Oben am Berg läuft dann der Alpbetrieb mit der Käseproduktion vor Ort. Und so geht es seit Urzeiten.
Züglete keine Touristenattraktion
Wenn die Tage wieder kürzer werden, treten die Tiere – oft schön mit Blumen geschmückt – den Rückweg an. Zunächst bis zur Maienschess, dann zwischen Mitte September und Ende Oktober wieder in den heimatlichen Stall. Weil viele Bauern in der Region diese Form der Landwirtschaft pflegen, haben Touristen die Chance, dieses Spektakel mitzuerleben. Als Touristenattraktion wollen die Bauern ihre Züglete jedoch nicht vermarktet sehen. Wann sie mit den Tieren starten, bestimmt jeder nach seinen Bedürfnissen. Weil der Weg meist durch den Dorfkern und selbst durch die mondäne Gstaader Promenade führt, müssen die Bauern ihre Züglete lediglich bei der Gemeinde anmelden, damit der Kehrwagen schnellstmöglich wieder für ein sauberes Pflaster sorgen kann.
Ein harter Job für Zweibeiner
So malerisch es auch aussehen mag: Eine Züglete ist für die beteiligten Zweibeiner eine harter Job. Die Tiere haben Freude an der Bewegung. Einige hätten am liebsten noch mehr davon. Andere nehmen lieber eine Abkürzung über die steile Wiese, wieder andere lassen sich gerne schieben. Alle beieinander zu behalten, gleicht einer Sisyphus-Arbeit. Auf jeden Fall ist es jedes Mal ein aufregendes wie anstrengendes Abenteuer für das gesamte Helfer- Team.
Kühe haben Pause
In den Bergregionen wurde stets darauf geachtet, dass die Kühe zwischen September und März kalben. So ist gewährleistet, dass die Milchproduktion während des Alpbetriebs am höchsten ist. Den Kühen bis zur nächsten Trächtigkeit zwei Monate Pause zur Regeneration des Körpers zu gönnen, sei inzwischen nicht mehr so populär, wird auf seinem Hof jedoch aus Respekt vor der Natur noch eingehalten.
Weisheit des Vaters zählt
Bei dieser Art der Tierhaltung ist insgesamt betrachtet der Zusatz von Kraftfutter und Vitamin- Präparaten weitgehend überflüssig. Gegen deren Einsatz hat Johann von Grüningen zwar nichts einzuwenden, dies stelle jedoch eine Kostenfrage dar und stehe letzten Endes im Widerspruch zu Alpwirtschaft. „Die Verlockung, die Produktionsleistungen insgesamt zu steigern, ist gross“, weiss der Turbacher. Weil bei voller Ausnutzung der Kuh jedoch die Fruchtbarkeit wie auch die Milchleistung nachlassen, zahle der Bauer unter Umständen am Ende sogar noch drauf. Diesem Rat des Vaters hatte Johann von Grüningen anfangs keinen Glauben geschenkt. Nun ist er eines Besseren belehrt.
Doppelte Lebensgrundlage
Die Tierhaltung, wie sie seit Generationen überliefert wurde, möchte er auch gerne an seine Kinder weitergeben. In die Versuchung, angesichts der Bequemlichkeiten der Zivilisation dieses harte Leben aufzugeben und das Land mit hoher Rendite zu versilbern, gerät Johann von Grüningen nicht. Er ist zufrieden mit seinem Leben. Kraft zieht er aus dem Rückhalt durch seine Familie. „Ich bin ein Naturmensch“, betont er. „Die Landwirtschaft und die alpine Echtheit sind Hauptmerkmale unserer Region – das, was die Touristen so sehr an ihr schätzen.“ Er hofft sehr, dass diese beiden Lebensgrundlagen im Saanenland sich noch lange die Waage halten und in Zukunft noch genügend Platz für diese Art der Traditionspflege zur Verfügung steht.
Hinweis an die Redaktionen
Für weitere Auskünfte steht Ihnen gerne zur Verfügung:
Kerstin Sonnekalb
Leiterin Public Relations
Gstaad Saanenland Tourismus
Promenade 41
CH-3780 Gstaad
Tel. +41 33 748 81 20
Fax +41 33 748 81 83
k.sonnekalb@gstaad.ch
www.gstaad.ch
Weitere Medientexte und Bilder der Ferienregion Gstaad: www.gstaad.ch, Rubrik Medien
Johann von Grünigen, Turbach, berichtet aus dem Alltag eines Bergbauern im Saanenland
Version Sommer 2012
Trotz der Härte des Alltags im Einklang mit der Natur
Die Landwirtschaft in den Bergen und das Leben der Bauern sind eng mit dem Lauf der Natur verbunden. Die Jahreszeiten und die Bedürfnisse der Tiere bestimmen den Rhythmus. Johann von Grünigen aus Turbach ist einer von vielen Bergbauern aus der Region Gstaad, die sich – unterstützt von der gesamten Familie – nach diesem Rhythmus richten und an Traditionen festhalten. Auch wenn manch betriebwirtschaftlicher Aspekt dagegen zu sprechen scheint.
„Trotz aller Härte des Alltags im Einklang mit der Natur zu wirtschaften und sie zu respektieren, ist für mich die Quelle meiner Zufriedenheit“, lautet der ganz persönliche Standpunkt des Johann von Grüningen. Wenn Ende April der Schnee in den Tälern schmilzt, beginnt für die Kühe die Freiluftsaison. Während des Winters hatten sie nur stundenweise Auslauf, jetzt, im Frühjahr, dürfen sie endlich raus – zurück auf die Weiden in der Nähe der Häuser.
Tross mit grossem Getöse
Je nach Zustand der Vegetation steht wenige Wochen später die erste „Züglete“ an. „Die Tiere spüren ganz genau, wenn es wieder losgeht und wir alles für die Züglete vorbereiten“, berichtet Johann von Grünigen. Mit grossen Treicheln um den Hals und entsprechendem Getöse marschiert der Tross Richtung Vorschess oder Maienschess, einer Alpstation auf halber Höhe. Dort finden die Kühe frisches, junges Gras. „Sie geben dann mehr und schmackhaftere Milch, was sich wiederum auf die Qualität des Käses auswirkt“, weiss der Bergbauer. Zum Hochsommer folgen die Tiere erneut der Vegetation. Oben am Berg läuft dann der Alpbetrieb mit der Käseproduktion vor Ort. Und so geht es seit Urzeiten.
Züglete keine Touristenattraktion
Wenn die Tage wieder kürzer werden, treten die Tiere – oft schön mit Blumen geschmückt – den Rückweg an. Zunächst bis zur Maienschess, dann zwischen Mitte September und Ende Oktober wieder in den heimatlichen Stall. Weil viele Bauern in der Region diese Form der Landwirtschaft pflegen, haben Touristen die Chance, dieses Spektakel mitzuerleben. Als Touristenattraktion wollen die Bauern ihre Züglete jedoch nicht vermarktet sehen. Wann sie mit den Tieren starten, bestimmt jeder nach seinen Bedürfnissen. Weil der Weg meist durch den Dorfkern und selbst durch die mondäne Gstaader Promenade führt, müssen die Bauern ihre Züglete lediglich bei der Gemeinde anmelden, damit der Kehrwagen schnellstmöglich wieder für ein sauberes Pflaster sorgen kann.
Ein harter Job für Zweibeiner
So malerisch es auch aussehen mag: Eine Züglete ist für die beteiligten Zweibeiner eine harter Job. Die Tiere haben Freude an der Bewegung. Einige hätten am liebsten noch mehr davon. Andere nehmen lieber eine Abkürzung über die steile Wiese, wieder andere lassen sich gerne schieben. Alle beieinander zu behalten, gleicht einer Sisyphus-Arbeit. Auf jeden Fall ist es jedes Mal ein aufregendes wie anstrengendes Abenteuer für das gesamte Helfer- Team.
Kühe haben Pause
In den Bergregionen wurde stets darauf geachtet, dass die Kühe zwischen September und März kalben. So ist gewährleistet, dass die Milchproduktion während des Alpbetriebs am höchsten ist. Den Kühen bis zur nächsten Trächtigkeit zwei Monate Pause zur Regeneration des Körpers zu gönnen, sei inzwischen nicht mehr so populär, wird auf seinem Hof jedoch aus Respekt vor der Natur noch eingehalten.
Weisheit des Vaters zählt
Bei dieser Art der Tierhaltung ist insgesamt betrachtet der Zusatz von Kraftfutter und Vitamin- Präparaten weitgehend überflüssig. Gegen deren Einsatz hat Johann von Grüningen zwar nichts einzuwenden, dies stelle jedoch eine Kostenfrage dar und stehe letzten Endes im Widerspruch zu Alpwirtschaft. „Die Verlockung, die Produktionsleistungen insgesamt zu steigern, ist gross“, weiss der Turbacher. Weil bei voller Ausnutzung der Kuh jedoch die Fruchtbarkeit wie auch die Milchleistung nachlassen, zahle der Bauer unter Umständen am Ende sogar noch drauf. Diesem Rat des Vaters hatte Johann von Grüningen anfangs keinen Glauben geschenkt. Nun ist er eines Besseren belehrt.
Doppelte Lebensgrundlage
Die Tierhaltung, wie sie seit Generationen überliefert wurde, möchte er auch gerne an seine Kinder weitergeben. In die Versuchung, angesichts der Bequemlichkeiten der Zivilisation dieses harte Leben aufzugeben und das Land mit hoher Rendite zu versilbern, gerät Johann von Grüningen nicht. Er ist zufrieden mit seinem Leben. Kraft zieht er aus dem Rückhalt durch seine Familie. „Ich bin ein Naturmensch“, betont er. „Die Landwirtschaft und die alpine Echtheit sind Hauptmerkmale unserer Region – das, was die Touristen so sehr an ihr schätzen.“ Er hofft sehr, dass diese beiden Lebensgrundlagen im Saanenland sich noch lange die Waage halten und in Zukunft noch genügend Platz für diese Art der Traditionspflege zur Verfügung steht.
Hinweis an die Redaktionen
Für weitere Auskünfte steht Ihnen gerne zur Verfügung:
Kerstin Sonnekalb
Leiterin Public Relations
Gstaad Saanenland Tourismus
Promenade 41
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