Kutscherhandwerk (lange Version)

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Quelle: Gstaad Saanenland Tourismus

Version Sommer 2012

Mit zwei PS durch die Ferienregion Gstaad


Hufgetrappel und rhythmisches Glöckchenspiel geben in der touristischen Symphonie der Feriendestination Gstaad winters wie sommers den Takt an. Die Pferdekutschen und -schlitten gehören zum echten alpinen Erscheinungsbild von Gstaad wie die heimeligen Chalets und die unberührte Natur. Insgesamt vier Betriebe bieten dieses entspannte Freizeitvergnügen in der Region an.

Alle vier zusammen bieten eine Kapazität von bis zu 80 Plätzen. Von einem kolossalen Wandel in der Bedürfniswelt der Kundschaft berichtet Fuhrmann Ueli Reichenbach: „Früher legten die Gäste Wert darauf, in der Kutsche gesehen zu werden“, sagt er. Heute sei genau das Gegenteil der Fall. Die Fahrgäste suchen die Ruhe und Abgeschiedenheit der Natur. Nicht umsonst seien die Touren ins Naturschutzgebiet am Lauenensee abseits der üblichen Verkehrswege so stark nachgefragt.

Robuste Rasse
Auf dem Bauernhof der Reichenbachs stehen elf Pferde im Stall. Es sind Freiberger, eine robuste und sehr ursprüngliche Rasse aus dem Schweizer Jura, die sich für diesen Zweck hervorragend eignet. Bis auf die ein oder zwei jungen „Lehrlinge“ sind alle für den Einsatz vor der Kutsche bestens ausgebildet. Im Sommer werden sie durchschnittlich für eine Fahrt pro Tag angespannt, im Winter muss jedes Zweier-Gespann bis zu dreimal pro Tag ran. „Am Abend sind sie dann rechtschaffen müde und froh, in den Stall zu kommen“, erzählt Julia Reichenbach. Die junge Deutsche, die in Lauenen die Liebe und eine neue Heimat fand, ist mit Begeisterung bei der Sache. Ihren einstigen Beruf in einem der führenden Hotels der Ferienregion vermisst sie nicht, auch wenn das Metier des Kutschers ein körperlich sehr anstrengendes ist.

Warme Schuhe besonders wichtig
Der Tag beginnt mit dem Füttern der Pferde. Zwei Stunden lang dürfen sie genüsslich fressen und verdauen. Diese Zeit nutzen die Reichenbachs zum Stallausmisten. Nach dem Striegeln und der Hufpflege wird den Tieren das Geschirr angelegt. „Dessen Pflege geht am Pferd am einfachsten“, gewährt Julia Reichenbach einen Einblick. Sind die Tiere startklar, macht sich auch der Kutscher zum Abmarsch bereit. Die Faustregel lautet: „Gerade im Winter ist gutes Schuhwerk besonders wichtig, denn frieren die Füsse, friert auch der Rest“, betont Julia Reichenbach. Gleiches gelte übrigens auch für die Hände. Unter den Wintersportjacken schichten sich mehrere Lagen Unterwäsche. Nur so lässt sich die Körpertemperatur optimal regulieren. Ein Stilelement im Kutscher-Outfit ist der „Bockschurz“, eine Art Schürze, die die Beine bedeckt und zusätzlich gegen Kälte schützt. Damit den Gästen während der Fahrt nicht nur warm ums Herz bleibt, liegen jede Menge Decken bereit.

Schwere Arme am Abend
„Von der Hüfte an aufwärts ist das Kutschenfahren recht anstrengend“, sagt Julia Reichenbach. Zwei Pferde in Zaum zu halten, brauche Kraft. Die Oberarme seien ständig in Bewegung. „Am Anfang der Saison ist man abends froh, wenn man die Arme nicht mehr heben muss“, verrät die Pferdenärrin lachend. Die meisten Fahrten sind vorbestellt. Nur bei starkem Regen oder extremem Schneefall, haben die Kunden die Option abzusagen. Ein Fönsturm kann ein Grund sein, weshalb die Reichenbachs von sich aus eine Fahrt stornieren: „Bei Sturm ist das Risiko für alle Beteiligten einfach zu gross.“

Mehrere Wagen zur Auswahl
Wie ihre Kollegen haben die Reichenbachs mehrere Kutschen- und Schlitten-Modelle im Angebot. „Wir haben für spezielle Anlässe wie Hochzeiten zusätzlich die nostalgischen Fahrzeuge Bregg, Viktoria und Landauer im Angebot“, ergänzt Julia Reichenbach. Das Besondere: Vater Ernst Reichenbach hat einen Grossteil der familieneigenen Wagen selbst gebaut. Er ist einer der wenigen, die das alte Handwerk des Wagners noch betreiben – doch das ist eine andere Geschichte. Weitere Informationen zu den Kutscherei-Betrieben in der Ferienregion Gstaad gibt es unter www.gstaad.ch, Rubrik Aktivitäten, Kutschenfahrten

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